NAUMONZEIT

NAUMONZEIT
2010/11, Dauer: 7 Monate / 4 Wochen


Projekt
Im Juni 2011 sollte das Schiff Naumon der katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus an der Kölner Rheinpromenade am Schokoladenmuseum anlegen. Für vier Wochen sollte hier ein künstlerischer und kuratorischer Modellversuch zur Findung zeitgemäßer Formen der Begegnung und des interdisziplinären Austausches von Kunstschaffenden, Wissenschaftlern und Publikum gestartet werden. Das Projekt musste 4 Wochen vor Eröffnung abgesagt werden, da Unstimmigkeiten zwischen dem Bund und einem Unternehmen bezüglich der Eigentumsverhältnisse unseres reservierten Liegeplatzes aufkamen. Ein längerer Rechtsstreit zwischen den 2 Parteien führte zum Abbruch des Projektes, an dem zu diesem Zeitpunkt mehr als 100 Menschen aus Kunst und Wissenschaft aus ganz Deutschland beteiligt waren.

Konzept
NAUMONZEIT versteht sich als ein kooperatives Kunstprojekt, das im Sinne eines erweiterten Kunstbegriffes angelegt ist. Dabei soll eine neue Form des kreativen Raumes entstehen, der als partizipatorisch angelegte Mischform aus Manufaktur und Akademie, aus Atelier und Präsentationsort, aus Museum, Bühne und Konzertsaal funktionieren wird.

Die Wechselwirkungen zwischen Schaffenden, Geschaffenem und dem Zuschauer formen das Gesamtkunstwerk. Dieser Prozess, der jeden Tag von der Gruppendynamik der Rezipienten abhängig ist, kreiert eine soziale Skulptur.

Die gemeinsame Arbeits- und Diskussionsgrundlage dieses soziokulturellen Projektes bildet das Thema Zeit. Ziel ist es, Zeit als polymorphes Phänomen erfahrbar zu machen. Die Zeitstrukturen in der Moderne haben einen Wandel durchlebt, der das Zeitempfinden und in Folge dessen das Leben und die Kommunikation der Menschen in unserer Gesellschaft bestimmt.

Durch die technische, soziale und kulturelle Beschleunigung entsteht das Gefühl der Zeitknappheit. Momente der Entschleunigung bleiben aus. Da der Faktor Zeit eine entscheidende Ressource innerhalb des kapitalistischen Produktionsprozesses ist, wird Zeit eingespart und systematisch verwaltet. Beschleunigung wird zu Profit. Die Konkurrenzlogik setzt den selbstverantwortlichen und zeitsouveränen Menschen unter den Zwang der Beschleunigung. Die hohe Geschwindigkeit, der rasende Verfall von Gültigkeiten und Fakten, Werten und Traditionen vergegenwärtigt einen Mangel von Inhalten und Handlungsorientierungen. Die Vergleichzeitigung der Gegenwart, der Verlust einer orientierungsstiftenden Vergangenheit und die ungewisse Zukunft verstärken das verbreitete Gefühl der Unsicherheit und Ohnmacht, die zum Stillstand führt. (vgl. Rosa, Hartmut: Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Suhrkamp, 2005)

Durch die technische, soziale und kulturelle Beschleunigung entstehen unbegrenzte Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung. Die schnelle weltweite Verbreitung von Informationen führt zu einem Entwicklungspotential, das so hoch ist wie nie zuvor. Die Freiheit und Unabhängigkeit des Einzelnen gewährleisten eine Zeitautonomie, die die identitätsstiftende Gestaltung der eigenen Zeit ermöglicht und erstmals den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden scheint.

Durch das Aufgreifen des Themas Zeit, in Form einer konträren und überspitzten Darstellung der „Beschleunigung von Zeitstrukturen“, werden Künstler und Zuschauer aufgefordert, ihre jeweils individuellen Positionen zu hinterfragen. Die entstehenden Arbeiten und die Auseinandersetzung im Dialog geben die Möglichkeit, verschiedenen Perspektiven zu folgen und diese temporär einzunehmen. Der Begriff Zeit versteht sich dabei ausdrücklich als Ausgangspunkt und ist offen für Veränderungen, die im Prozess entstehen.

Team:

Konzept, Künstlerische- und Projektleitung: Mona el Gammal
Konzept und Künstlerische Leitung: Katharina Zimmermann, Jonathan Haehn
Projektleitung: Diana Rozsa
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dana Georgiadis, Maria Wildeis
Marketing: Ira Hellenthal
Visuelle Kommunikation: Dirk Rossbach
Finanzcontrolling: Dr. Michael Hellenthal
Technische Leitung: Christian Herbert
Projektorganisation: Kathrin Seifert

Kulturpaten:
Jonathan Schreiber > Architekt
Piotr Posielski > Brandschutzbeauftragter
Markus Flemming > Statiker
Edgar Huk > Volkswirtschaftler
Alexander Feitzinger > Rechtsberatung

Partner & Sponsoren:
La Fura dels Baus, Stadt Köln, Oper Köln,
SK Stiftung Kultur, Kölner Kultur Paten,
Kunsthochschule für Medien Köln,
Hochschule für Gestaltung Karlsruhe uvm.

Mitarbeit:
Björn Kaul, Sandra Huizinga, Katja Stamm

Teilnehmer:

Kunst (Alle Sparten):

Penelope Wehrli, Julius von Bismarck, Louis Negron,
Luka Fineisen, Arpad Dobriban, Schirin Kretschmann,
Petra Lammers, Karoline Phillipi & Daniel Hackenberg,
Kinderchor der Oper am Rhein, Franziska Windisch,
Chistian Keinstar, Parisa Karimi, Uta Buchheister,
Eva Hartmann, Svenja Mordhorst & Sabrina-Dunja,
Sandstede, Ali Gharib, nonstopnerds, Bruno Tait,
Anna Kpok Theater, Okinawa, Tom Förderer,
Peter Güllenstern, Marcus Zilz, Gereon Krebber,
Kilian Kretschmer, Jan Hoeft, Roozbeh Asmani, David Loscher,
Bela Pablo Janssen, Pablo Bottinelli, Prof.Dr.Swantje
Lichtenstein + Studenten, Marcellvs L., Jonanna Reich,
Thorsten Hallscheid, Iris Drögekamp + Studenten, Selma
Glütoprak, Swanhild Kruckelmann, Andreas Schneider,
Daniel Kötter, Tobias Daemgen + Moritz Ellerich,
Raumzeitpiraten, Bernhard Siegl, Lisa Lunghanß, Martha
Hincapié Charry, Urbanatix Urban street culture,
Doro Meyer, Alex Mora, Tsai-Wei Tien, Martin Rumori,
Marco Kugel, Ben J. Riepe, Wolfgang Ganter, Jan Witfeld,
Michl Thorbecke, David Schnägelberger, Martin Hesselmeier,
Andreas Muxel, Stefan Bohnenberger

Wissenschaft:

Prof. Dr.Hartmut Rosa (Soziologie)
Prof. Dr. Byung-Chul Han (Philosophie + Medientheorie)
Prof. Dr. Claus Kiefer (Physik, Astronomie)
Prof. Dr. Rinderspacher (Wirtschafts- und Sozialethik)
Prof. Dr. Olaf Weber (Aesthetik, Performance)
Prof. Dr. Wolfgang Böttcher (Erziehungswissenschaftler)
Dipl.-Ing.Ingo Kanehl (Architektur + Stadtplanung)
David Zintl (Kulturwissenschaft)

Stand: 31.04.2011