NAUMONAUTEN

DOKUMENTARISCHE SPLIT – SCREEN VIDEOINSTALLATION ZUM PROJEKT

Jahresausstellung, HfG Karlsruhe 2010

 

NAUMONAUTEN INTERVIEW

 

NAUMONAUTEN
2009/10, Dauer: 7 Monate

Konzept / Organisation / Projektleitung:
Mona el Gammal, Lukas Sander, Line Sexauer

Teilnehmer:
David Schnägelberger, David Loscher,
Christian „Bolla“ Rall, Philipp Stary, Tina Schmid,
Anne Ehrhardt, Lukas Fütterer, Eva Hartmann,
Aninia Josefine Schwanhäußer, Justin Koch, Nina Hofmann,
Patricia Neligan, Felix Grünschloss, Karoline Serafin

Technik:
1 Generator, 40 Lautsprecher, 12 DVD Player,
8 Beamer, 4 Monitore, 2 Motoren, 6 Bewegungsmelder,
2 Wasserpumpen, viele Lampen, Kabel uvm.

Material: 1 Schiff, 9 Kajüten, Gangways, Leitern,
Heizstrahler, Planen, Schaukeln, Stahlrahmen, Traversen,
Bäume, Schläuche, Plastiktiere uvm.

Auf Einladung der katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus lebte zwischen September 2009 und Januar 2010 eine Gruppe von Künstlern und Studenten der Szenografie, Medienkunst, Kunstwissenschaft und Bildenden Kunst auf dem Küstenmotorschiff „Naumon“. Das Schiff lag im Duisburger Hafen und bildete einen Teil der Duisburger Akzente im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010. In den ersten Monaten setzten die Teilnehmer täglich in 10-stündigen Diskussionen mit den Möglichkeiten der Orientierung in unserer komplexen Welt auseinander. Das Lebensgefühl der Unsicherheit und das Durchbrechen des Gefühls der Ohnmacht, die Frage nach der Notwendigkeit von Utopien und der Rolle der Kunst bei ihrer Erschaffung wurden auseinandergenommen.

Um in der persönlichen Auseinandersetzung eine gemeinsame Form zu finden wurden formale Regeln aufgestellt:
– die Arbeiten entstehen alle für und auf dem Schiff
– es wird hauptsächlich mit Klang und Licht gearbeitet
– die Arbeiten sollen ineinandergreifen, korrespondieren
– Projektionen jedoch keine Leinwände
– keine Darsteller
– keine Stellwände, Sockel, Podeste oder Stühle für das Publikum
– keine Etikettierung der Arbeiten

Es entstanden 17 Installationen, die im Januar 2010 in der Ruhr.2010 Ausstellung „Ein schaukelndes Stück Raum“ präsentiert wurden.

HETEROTOPIE

(…) wenn man daran denkt, daß das Schiff
ein schaukelndes Stück Raum ist,
ein Ort ohne Ort, der aus sich selber lebt,
der in sich geschlossen ist und gleichzeitig
dem Unendlichen des Meeres aufgeliefert ist
und der, von Hafen zu Hafen, von Ladung zu Ladung,
von Bordell zu Bordell, bis zu den Kolonien
suchen fährt, was sie an Kostbarstem in ihren
Gärten bergen, dann versteht man, warum das
Schiff für unsere Zivilisation vom 16. Jahrhundert
bis in unsere Tage nicht nur das größte Instrument
der wirtschaftlichen Entwicklung gewesen ist
(nicht davon spreche ich heute), sondern auch das
größte Imaginationsarsenal.

Das Schiff, das ist die Heterotopie schlechthin.
In den Zivilisationen ohne Schiff versiegen die
Träume, die Spionage ersetzt das Abenteuer
und die Polizei die Freibeuter.

(Michel Foucault, Andere Räume.)